AGBeratung

„Und vergesst nicht, eure Erfolge zu feiern!“

06.03.2026

Das sagen wir Projekten in der Beratung und das machen wir selbst auch. Nach 15 Jahren auch in Form einer Party. Aber auch durch die Geschichte, die wir über uns selbst zum Anfang von Beratungen erzählen. Alle erzählen sich Geschichten über sich selbst. Es spielt in unseren Beratungen eine große Rolle, genau auf diese Geschichten zu hören, sie ernst zu nehmen, ggf. zu hinterfragen und Alternativen anzubieten. Geschichten sind Selbstversicherung und Identitätskonstruktionen. Diese Geschichten können stabilisieren oder destabilisieren, Mut machen, oder die eigenen Unsicherheiten zum Ausdruck bringen.

Wir erzählen unsere Geschichte nicht nur uns selbst, sondern meist am Anfang von Beratungsprozessen. Und bekommen dann auch oft eine Rückmeldung. Wir erzählen gerne, dass es uns seit 15 Jahren gibt und zwar stabil. Das bedeutet vor allem, viel gewachsenes Vertrauen. Immer wieder zu merken, dass wir uns politisch aufeinander verlassen können und über die Jahre auch ein praktisches Netz für Notlagen gesponnen haben. Was wir immer wieder merken: Zeit zusammen zu verbringen und uns auszutauschen ist genau so wichtig, wie zusammen zu arbeiten, unser Wissen zu teilen und nach den richtigen Mitteln und Wegen in gemeinsamen Beratungsprozessen zu suchen. Das eigene Kollektiv hilft, um sich nicht allein zu fühlen, mit der alltäglichen Horrorshow. Ob wir das im Alter, nach unserer aktiven Zeit als Berater*innen auch hinbekommen. werden wir dann in 15-20 Jahren ausprobieren und sehen.

Wir erzählen auch, dass wir uns aussuchen, wen wir beraten. Wir haben uns bisher die Freiwilligkeit in unserer Beratungsarbeit erhalten und verstehen unsere Begleitung von Gruppen als politische Arbeit. Und leben mit der Gratwanderung: Welche Freiheiten gibt es uns, wenn wir uns nicht zu einem Beratungsunternehmen professionalisieren? Wo begrenzt es uns in dem, was wir beitragen können? Anfragen gibt es nach wie vor genug und auch viele Projekte, die wir mit Herzblut unterstützen. Aber unsere Kapazitäten sind begrenzt. Zum Beispiel durch die Notwenigkeit anderweitig Geld zu verdienen, uns um unsere Gesundheit zu kümmern und uns auch in anderen Gruppen und Themenfeldern zu engagieren.

Mit den Kolumnen reflektieren wir Themen aus unserer Beratungsarbeit und immer mal auch uns selbst. Futter für die Reflexionen finden wir, weil sich immer wieder Menschen zusammen finden, die neue selbstorganisierte Projekte umsetzen. Seit 15 Jahren ist das auch der Versuch das „Richtige im Falschen“ zu unterstützen. Immer wieder hartnäckig Fragen zu stellen wie: Was heißt Solidarität denn praktisch? Was macht dieses anders wirtschaften in der Praxis aus? Hört Kooperation an der Kollektivgrenze auf? Was genau sind eure Vorstellungen und wie wollt ihr diese umsetzen?

Neue und bestehende Kollektive zu beraten ist spannend für uns, fordert uns aber auch immer wieder neu heraus, weil sich die Arbeitspraxis von kollektiven Unternehmungen im Lauf der Zeit verändert hat. Es wird zum Beispiel viel häufiger im virtuellen Raum kommuniziert, was uns oft an unsere Grenzen von authentischer Begleitung von Gruppen bringt. Auch der Sprachgebrauch hat sich verändert, Reflexionen sind differenzierter geworden: Es geht viel weniger um formelle und informelle Hierarchien und mehr um Privilegien und Positionierungen.

Fragen, die wir den Gruppen stellen, stellen wir auch uns selbst: Wo finden wir uns wieder? Haben wir uns eingerichtet, stagnieren wir, haben wir so wenige Konflikte, weil wir sie scheuen, oder weil wir offen und häufig genug miteinander reden? Wo bereichert es uns, dass wir alle noch so viel Anderes machen und wie gehen wir dabei mit unseren Kapazitäten um? Was sind unsere Privilegien und Positionierungen? Wie werden wir den Generationenwechsel gestalten? Wie finden wir neue interessierte Mitstreiter*innen? Wie gestalten wir Veränderungsprozesse?

Offene Fragen, nicht abgeschlossene Prozesse und die Suche nach guten, fairen und gelingenden Beziehungen und tragfähigen Zusammenschlüssen wird es immer geben. Aber jetzt, in unserem 15. gemeinsamen Jahr erzählen wir euch unsere Geschichte, feiern uns selbst und lassen uns feiern, denn Selbstreflexion ist zwar wichtig, aber gemeinsames Feiern auch!

Wir feiern unsere Realität und Unabhängigkeit. Wir feiern auch, durch die Beratungsarbeit immer wieder neue Eindrücke zu gewinnen und reflektieren zu können. Wir feiern es, dass es immer wieder neue Projekte gibt. Das mit dem Richtigen im Falschen ist nicht widerspruchslos, aber wir feiern es da schon seit 15 Jahren gemeinsam dran zu sein. Wir freuen uns sehr über die Glückwünsche, die wir erhalten haben.

Und zu Feier des Tages ist hier der Link zu unseren ausgewählten Kolumnen, die es, quasi als Festschrift, jetzt in illustrierter Form gibt.

Broschüre „15 Jahre AGBeratung“: https://www.agberatung-berlin.org/15jahre_agberatung

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